AutorMonikaNeumann

Acrylmalerei

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monika neumann lachende frau

Buch und Autorin in den Medien

brigitte.de: Das erste Mal mit 58 – wie es ist, sich spät zu verlieben

Schwarz auf weiß: Biografische Bücher verlegen? Ich hab’s gewagt! von P. Katharina Thölken

atemwort-verlag.de: Wenn man die Autorin rütteln möchte

Interview

Kindheit und Jugend

Frau Neumann, „Alles für die Liebe“ ist Ihr erstes Buch. Es liest sich flüssig und spannend , ein echter Schmöker. Haben Sie immer schon im stillen Kämmerlein geschrieben?

Dazu ließ mir die jahrzehntelange Doppelbelastung durch Berufstätigkeit und Krankenversorgung keine Zeit.

 

Ihre Kindheit und Jugend deuten Sie in wenigen Passagen mehr an, als dass Sie sie ausführlich beschreiben. War das eine glückliche Zeit oder eher nicht?

Eher nicht. Mir selbst ist zwar nichts Schlimmes passiert, aber die Sorgen um die kranken Angehörigen waren immer gegenwärtig.

 

Ihre Sehschwäche spielt eine bedeutende Rolle im Buch. Sie haben bereits in Ihrer Kindheit darunter gelitten. Wie genau machte die sich bemerkbar?

‘Gelitten’ habe ich eigentlich nicht, ich kannte es ja nicht anders. Jetzt, im Rückblick, habe ich das Gefühl, dass die Welt einfach nur platt und grau war – wie ich inzwischen erfahren habe, konnte ich so gut wie nicht dreidimensional sehen und auch die Farbwahrnehmung war beeinträchtigt.

 

Sie schreiben, dass das Sehtraining Areale im Gehirn aktiviert hat, die für Emotionen verantwortlich sind.  Haben Sie den Eindruck, dass bereits in Ihrer Kindheit Ihre Gefühlswelt eingeschränkt war?

Auch hier ist die Beantwortung schwierig, weil ich es nicht anders kannte. Aber vielleicht doch, denn ich war immer die ‘Vernünftige’, die zuverlässig Funktionierende.

 

Sie haben Ihre Eltern und anschließend die Nachbarinnen sehr lange gepflegt. Wie kam es dazu?

Durch eine damals noch sehr ungewöhnliche Familienkonstellation: ich war das einzige Kind schon relativ alter Eltern. Eine Pflegeversicherung gab es noch nicht, eine Pflegekraft oder ein Pflegeheim hätten unsere finanziellen Mittel weit überstiegen. Zur Pflege der Nachbarinnen wäre ich gesetzlich nicht verpflichtet gewesen, aber sie hatten mich ihrerseits jahrelang unterstützt, das war für mich einfach ein Gebot der Fairness.

 

Haben Sie nie daran gedacht, aus dieser häuslichen „Zwangslage“ auszubrechen?

Nein, denn das hätte in meinem speziellen Fall bedeutet, die Kranken sich selbst zu überlassen.

Was würden Sie Frauen empfehlen, die sehr stark in die Pflege von Angehörigen eingebunden sind?

Auf jeden Fall darauf zu achten, dass die ‘Pflegelasten’ in der Familie gerecht verteilt sind. Ich habe im Laufe meines Lebens mehrere Fälle kennengelernt, wo die Tochter die Pflege der Angehörigen ‘aufs Auge gedrückt’ bekam, einfach nur weil sie eine Frau war. Sie musste auf alles verzichten, während ihr Bruder/ihre Brüder sich unbelastet dem Aufbau ihrer beruflichen Karriere und der Gründung einer eigenen Familie widmen konnten. Ich glaube, in diesem Bereich hinkt die Emanzipation noch gewaltig hinterher – nur wird das öffentlich kaum erwähnt (vielleicht weil sonst unser Gesundheitssystem zusammenbrechen würde?).

Liebe und Sex

Sie sind im Alter von 58 Jahren zum ersten Mal eine Beziehung zu einem Mann eingegangen. Davon handelt Ihr Buch. Würden Sie sagen, dass die Lebenserfahrung und Reife vor Torheiten und Blindheit schützt?

Es gibt Lebensbereiche, wo Erfahrung auch nicht weiterhilft. Der bekannte Spruch „Liebe macht blind“ wurde nicht extra für mich erfunden.

 

Ihre Bilder sind sehr stark erotisch geprägt. Glauben Sie, dass Sie Sex und Erotik stärker als viele andere Frauen Ihres Alters beschäftigen, weil Sie es so viele Jahre ausgeblendet haben?

Gegenfrage: Woher wollen Sie, wissen, dass sich andere Frauen meines Alters nicht auch stark damit beschäftigen, nur – geprägt durch Erziehung und Leben – nicht bzw. nicht mehr den Mut haben, das offen zu äußern?

Malerei

Sie malen in einem Stil, der an Bilder erinnert, die man erst mit der 3 D-Brille „normal“ sieht. Hat das mit Ihrer Sehschwäche zu tun?

Leider habe ich niemanden, den ich dazu befragen könnte. Aber es wäre schon möglich. Mit meinem ‘augenumschulungs-verwirrten’ Gehirn geriet ich, alleingelassen mit den Folgen der Krebsbehandlung, durch eine schwere Virusinfektion in Todesnähe. Im Moment des Zusammenbruchs sah ich in eine warme bunte Welt mit sich liebenden, bunten Menschen – wahrscheinlich eine Jenseits-Halluzination. Diese Farben – sie haben mich einfach nicht mehr losgelassen.

 

Lebensträume

Wenn Sie alle Mittel und Möglichkeiten der Welt hätten, die Sie brauchen, was würden Sie gerne tun? Wie und wo würden Sie gerne leben?

Mit den Wünschen, das ist so eine Sache. Man darf sie nicht laut äußern, sonst gehen sie nicht in Erfüllung, sagt ein Sprichwort. Ich habe dagegen verstoßen, habe ganz zu Anfang meines Buches meine Lebensträume jemandem erzählt – und bin bitter dafür bestraft worden. Aber einen Wunsch, meinen größten, kann ich offen aussprechen, denn er geht sowieso nicht in Erfüllung: ein Leben ohne die ständige zermürbende Angst vor einer Wiederkehr des Krebses.

 

Ihr Buch erscheint in der neuen Bonner Biografischen Reihe. Sie haben Ihr ganzes Leben in Bonn verbracht. Was lieben Sie an Bonn, was mögen Sie nicht?

Als Stadt gefällt mir Bonn sehr gut, da ich die Größe und die landschaftliche Lage angenehm finde. Mit den Menschen tue ich mich manchmal schwer, als Flüchtlingskind bin ich nie wirklich als Einheimische und Zugehörige angesehen worden. Insofern bin ich für die Bonner Biografische Reihe sicher nicht die typische Kandidatin, und es ist mutig von der Verlegerin, die Reihe mit meiner Geschichte, die nicht nur die besten Seiten der Bonner zeigt, zu starten.

 

Termine

14.06.2018

20 Uhr Lesung und Ausstellung

Ort:  Gemeinsames Wohnen Karmelkloster e.V.
Karmeliterstr. 1, 53229 Bonn

Dieser Termin findet nicht statt!

09.11.2017

19 Uhr Buchvorstellung mit Einführung, Lesung, Diskussion

im Haus der ev. Kirche/Clubraum

Adenauer Allee 37

53113 Bonn

Eintritt frei, Getränke werden gereicht

Plakat

Der Klappentext

Alles für die Liebe

Eine autobiografische Erzählung

Sie ist 58, als sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben aufmacht, die Liebe zu
entdecken. Jahrzehntelang hat sie sich für andere aufgeopfert. Jetzt will Monika
mit Hilfe einer Partnervermittlung den Mann finden, mit dem sie sich
endlich ihre eigenen Bedürfnisse erfüllen kann.
So lernt sie Felix, den Mann ihrer Träume kennen. Ein Mann, der für sie
da ist, als sie eine schwere Krankheit durchmacht. Ein Mann, der ihr die
Welt zeigt, die sie, Biologin und Hobbyhistorikerin, nur aus Büchern und
Medien kennt. Ein Mann, der die sehschwache Frau dazu bringt, sich ihrem
Augenproblem zu stellen und in einem dramatischen Prozess neu sehen
zu lernen. Und überdies ein Mann aus vornehmen Kreisen. Doch
in diese nimmt er sie nicht mit. „Noch nicht!“ – wie sie sich insgeheim
sagt. Monika beschließt alles zu tun, um gesellschaftsfähig zu werden
und sich diesem Mann würdig zu erweisen. Doch wie gut kennt sie ihn
wirklich?

Eine Geschichte, wie sie nur das wahre Leben schreiben kann.

Drei Jahre, von 2013 bis 2016, führt Monika E. Neumann Tagebuch über
ihren aufregenden Kampf um die Liebe ihres Lebens. Wird sie ihn gewinnen?
Mit der erzählerischen Finesse einer Romanschriftstellerin lässt die Autorin
und Malerin den Leser an ihrer Geschichte voller Leidenschaft, voller
Höhen und Tiefen teilhaben.

 

  • Broschiert: 480 Seiten
  • 1. Auflage 2017
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783944276229
  • EUR 18,98

Jetzt direkt beim Verlag bestellen!

zur Leseprobe

Bonner Biografische Reihe

Das Werk von Monika E. Neumann eröffnet die Sammlung autobiografischer Erzählungen, Memoiren und Biografien von Menschen aus Bonn und der umliegenden Region.
Die Werke erscheinen im atemwort verlag unter dem Titel Bonner Biografische Reihe.

Autoren oder solche, die es werden möchten, können sich gerne an den atemwort verlag wenden, um Hilfe zu ihrem (auto-)biografischen Projekt zu erhalten.

Tel. 0 26 44-9 45 9 27 9

Mail: info@atemwort.de

 

Monika E. Neumann

Monika E. Neumann

wurde 1954 als Kind einer Schlesierin und eines sudetendeutschen Flüchtlings in Bonn geboren.

Hier verbrachte sie ihr ganzes Leben, ging zur Schule, studierte ab 1976 Biologie und erhielt 1978 ihr Diplom. Sie pflegte mehr als zwei Jahrzehnte Eltern und Nachbarn, während sie gleichzeitig als Verwaltungsangestellte arbeitete. Als Hobbyhistorikerin kennt sie sich nicht nur in deutscher Geschichte aus.

2013, im Alter von 58 Jahren, erkrankte sie an Krebs, den sie erfolgreich überwand. Heute arbeitet sie als Malerin. Das Titelbild des Buches stammt von ihr.

 

Gedanken über die Liebe

Schmetterlinge schwirren
suchen ihren Weg
durch grauen Nebel
finden ins Helle

Glockenklang ganz nah
tiefer warmer Ton
das Innerste vibriert
die Glocke schwingt und schwingt

Regenbogen
vor schwarzer Gewitterwand
er zerbricht
leuchtende Farben fließen
über verschlungene Körper
LiebesKunstLiebe

Poesie auf Dekobild, preisreduziert
Liebe erträgt alles
glaubt alles
hofft alles
übersteht alles
die Liebe höret niemals auf

Wann hört die Erinnerung auf?

Leseprobe

4. März 2013, Montag
Das blankgeputzte Messingschild reflektiert die kalte Märzsonne, es blitzt geradezu.
Blitz – da gibt es doch ein Sprichwort: Für eine Frau von über 40 ist
es wahrscheinlicher, vom Blitz getroffen zu werden als einen Mann zu finden.
Nun, das mit dem Blitz habe ich schon hinter mir, sogar zweimal, geht es mir
durch den Kopf.

Ich bin drei Jahre alt, sitze auf der Toilette, ein Gewitter zieht auf. Plötzlich
schlägt der Blitz ins Haus ein und fährt hinter mir am Wasserrohr entlang
nach unten. Die Tapete über dem Rohr verfärbt sich erst bräunlich, fängt
dann an zu qualmen und widerlich zu stinken. Ich schreie entsetzlich. Selbst
höre ich es nicht, meine Mutter erzählt es mir später. Mein Gehör kommt
in den folgenden Tagen nach und nach wieder, sonst ist mir nichts passiert.
Der zweite Blitz etwa 30 Jahre später: Er nimmt die hohe TV-Hausantenne
ins Visier. Dieses Mal komme ich unversehrt davon – das Fernsehgerät opfert
sein Leben für mich.

Also, was soll mir da noch passieren, denke ich mit einem Anflug von Belustigung,
denn auf dem Messingschild steht:

ZU ZWEIT
Partnervermittlung

Neben dem Schild der Eingang des Geschäftshauses – wieder schweifen
meine Gedanken ab. Zum ersten Mal in meinem Leben scheint sich für mich
eine lang verschlossene Tür zu öffnen: Eine kleine Erbschaft gewährt mir die
Erfüllung eines Wunsches. Ach, wie habe ich mich die ganzen Jahre danach gesehnt:
Eine eigene Familie gründen! In deinem Alter, du spinnst wohl! Das war
mein Verstand, und natürlich hat er recht, aber vielleicht einen lieben Partner
kennenlernen, mit ihm schöne Reisen unternehmen. Von der Welt habe ich ja
so gut wie noch nichts gesehen. Den Anschluss an die Gesellschaft wiederfinden,
aus der ich komplett herausgerutscht bin.

Mein Biologiediplom habe ich in der Hand. Die Umweltbewegung hat mich
sehr beeindruckt. Mich auch beruflich für den Umweltschutz zu engagieren
– das ist mein Ziel. Da werden beide Eltern fast gleichzeitig krank. Eine
Pflegekraft oder ein Pflegeheim übersteigt unsere Geldmittel, also übernehme
ich die Betreuung. Der Traum von Karriere, einer eigenen Familie – geplatzt.
Ich nehme einen Brotjob in einer Behörde an, um finanziell auf eigenen
Füßen zu stehen und den Anschluss an das ‚normale‘ Leben nicht ganz
zu verlieren. Jahrzehntelang hetze ich nun zwischen Arbeitsplatz, Hausarbeit und
Krankenpflege hin und her. Ein 20-Stunden-Tag ist für mich normal. Dann bleibt
mir für beide nur noch das Pflegeheim, eine Versorgung der jetzt Schwerstkranken
ist mir in unserer Mietwohnung nicht mehr möglich. Aber frei bin ich immer noch
nicht. Zwei befreundete Nachbarinnen haben mich die ganze Zeit unterstützt, ein
Auge auf die Eltern gehabt, wenn ich tagsüber abwesend war, dringend benötigte
Medikamente aus der Apotheke geholt und anderes – ohne sie hätte ich das alles
nicht geschafft. Nun sind auch diese hilfsbereiten, alleinstehenden Damen alt und
krank. Ich kann sie einfach nicht im Stich lassen …

Nur – wie einen Partner finden? Die Zeiten, wo ein edler Ritter auf weißem
Ross vorbeigeritten kommt und um die Hand des Burgfräuleins anhält, sind
nun einmal vorbei. Partnerbörsen im Internet? Zu riskant für mich völligen
Neuling auf dem Gebiet der Partnersuche, ich bräuchte jemanden mit Erfahrung,
so eine Art Partnervermittlung. Gibt’s das in Internetzeiten überhaupt
noch? In meiner Heimatstadt Bonn bestimmt nicht, aber ich hatte doch irgendwo
ein Branchen-Telefonbuch von Köln, der Großstadt. Und es gibt dort
tatsächlich noch ein Partnervermittlungsinstitut, sogar deren mehrere. Welches
jetzt wählen? Mir kam eine grandiose Idee: Im Zentrum einer Stadt sind die
Mieten am höchsten, wer sich dort Geschäftsräume leisten kann, muss einen
guten Umsatz haben, also erfolgreich sein. Also her mit dem Stadtplan.

Du spinnst, mit 58! Das war wieder mein Verstand. Aber wenigstens einmal
anrufen, fragen, ob in meinem Alter überhaupt noch Aussichten bestehen –
was soll schon passieren, mehr als mich ablehnen können sie ja nicht. Dann
neue Zweifel: Wenn die Sache aussichtslos ist, bedeutet das in meinem Fall
endgültige Einsamkeit bis zum Tod. Will ich das überhaupt so genau wissen?

Aber auf einmal – die erste positive Wendung meines Lebens hatte mir
wohl ungeahnten Mut verliehen – hielt ich den Telefonhörer in der Hand,
wählte die Nummer, lauschte atemlos in den Hörer. Vielleicht meldet sich ja
niemand, vielleicht gibt es die Partneragentur überhaupt nicht mehr, vielleicht
besser so. Nein, es wurde abgehoben, ein netter, der Stimme nach jüngerer Mitarbeiter war am Telefon. Meine eigene Stimme, vor Aufregung ganz rau. Die
bewusste Frage, das Alter – ich sehe noch ganz passabel aus, beeile ich mich zu
versichern. Kein Problem, sagte mein Gesprächspartner freundlich, sie nähmen
Kunden bis 70 Jahre an. Und schon hatte ich einen Termin – keine peinlichen
Fragen; das Ganze war wohltuend sachlich über die Bühne gegangen.

Und heute – genauer gesagt jetzt – ist dieser Termin. Hilfe, wie lange stehe
ich schon vor dem Türschild? Vor Schreck drücke ich schnell auf den zugehörigen
Klingelknopf, nun gibt es kein Zurück mehr. Der Türöffner wird betätigt,
ich betrete ein großzügiges, sauberes Treppenhaus, eine junge Mitarbeiterin
erwartet mich am Eingang der Geschäftsräume im ersten Stock, führt mich
in eines der Besucherzimmer und bittet mich freundlich, kurz zu warten. Ich
werde mutiger, sehe mich um: Die Einrichtung ist freundlich und modern,
keine Spur eines von mir befürchteten Plüsch-Ensembles. Ich sitze auf dem
bequemen Sofa einer eleganten Sitzecke, unter meinen Füßen ein Designer-
Teppich. Aber kaum hat sich eine Befürchtung zerstreut, erhebt die nächste
ihr skeptisches Haupt: Würde ich den hier gestellten Ansprüchen genügen?
Die Altersfrage war zwar geklärt, jedoch … Im Geiste gehe ich eine regelrechte
Mängelliste durch. Haupt-Knackpunkt: meine für eine Frau etwas ungewöhnliche
Körperlänge von fast ein Meter achtzig. Die nette Angestellte von eben
kommt wieder; ein angebotenes Mineralwasser lehne ich höflich ab, vor Aufregung
brächte ich keinen Schluck herunter.

Etwas anderes kann ich nicht ablehnen, ohne unangenehm aufzufallen: Die
junge Frau schleppt zwei dicke Kladden herbei, sozusagen die ‚Gästebücher‘
des Hauses. In ihnen haben alle von der Agentur vermittelten Paare einige
Dankeszeilen hinterlassen und ich könne darin blättern. Ich bin viel zu nervös,
um das Geschriebene zu erfassen, ich versuche es trotzdem. Pflichtschuldigst
wende ich die Seiten, Dankesschreiben um Dankesschreiben, alle in goldener Schrift. So viele Erfolge, vielleicht habe ja auch ich noch eine Chance. Und wie
mag wohl ein Füller mit goldener Tinte aussehen. Irgendetwas ist seltsam, ich
komme und komme nicht darauf – vielleicht, nein bestimmt die Aufregung.

Das Eintreten der offenbar für das ‚Examinieren‘ von Neuzugängen zuständigen
Mitarbeiterin unterbricht meine Gedankengänge. Die Dame ist schlank
und – welch eine Beruhigung – fast so groß wie ich. Ihre Stimme klingt angenehm,
verrät aber, dass auch sie nicht mehr ganz jung ist. Ihre Miene: Ein aufmunterndes
Lächeln steht in seltsamem Gegensatz zu völlig starren Gesichtszügen
– ach, vielleicht sehe ich auch jetzt vor Aufregung etwas falsch. Oder
vielleicht nicht nur vor Aufregung, denn ich gebe mir einen Ruck und gestehe
meinen zweiten Knackpunkt: Ich habe keinen Führerschein! So, nun ist es raus.
Nein, ich bin keine Alkoholikerin, sondern bei mir wurde als Kind eine Sehschwäche
des rechten Auges festgestellt – angeboren und leider nicht behandelbar,
wie der Augenarzt sagte. Mein Vermögen, Entfernungen richtig abzuschätzen
sei dadurch beeinträchtigt und die zum Führerscheinerwerb erforderliche
Sehprüfung würde ich nicht schaffen. Meine Eltern nahmen es gelassen.

„Man merkt dem Auge von außen nichts an“, sagt meine Mutter, „es entstellt
dein hübsches Gesicht doch nicht. Du siehst aus wie die junge Romy Schneider und
das ist schließlich das Wichtigste.“ Das mit der Romy Schneider sagt sie nicht nur
mir, sondern allen, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit. Ich lerne, mit
der Sehschwäche zu leben. Entfernungen lassen sich auch an den Licht-Schatten-
Verhältnissen grob abschätzen – das erkenne ich früh und entwickle darin mit der
Zeit eine erstaunliche Fertigkeit. Häufig wiederkehrende Bewegungsabläufe schnell
‚auswendig‘ lernen und perfektionieren – für mich ebenfalls kein Problem. Gelegentliche kleine Missgeschicke nehme ich mit Selbstironie. So ist mir man mir meist nicht böse – oder vielleicht wegen des Romy-Schneider-Gesichts?

„Ohne Führerschein – ist das schlimm?“ höre ich mich bang fragen. Aber
nein, sagt die ‚Verhörspezialistin‘, wenn man sich wirklich liebe, sei so etwas
völlig nebensächlich; außerdem sähe ich noch sehr gut aus und hätte eine tolle
Figur.

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Pressemitteilung vom 12.10.2017