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Interview

Kindheit und Jugend

Frau Neumann, „Alles für die Liebe“ ist Ihr erstes Buch. Es liest sich flüssig und spannend , ein echter Schmöker. Haben Sie immer schon im stillen Kämmerlein geschrieben?

Dazu ließ mir die jahrzehntelange Doppelbelastung durch Berufstätigkeit und Krankenversorgung keine Zeit.

 

Ihre Kindheit und Jugend deuten Sie in wenigen Passagen mehr an, als dass Sie sie ausführlich beschreiben. War das eine glückliche Zeit oder eher nicht?

Eher nicht. Mir selbst ist zwar nichts Schlimmes passiert, aber die Sorgen um die kranken Angehörigen waren immer gegenwärtig.

 

Ihre Sehschwäche spielt eine bedeutende Rolle im Buch. Sie haben bereits in Ihrer Kindheit darunter gelitten. Wie genau machte die sich bemerkbar?

‘Gelitten’ habe ich eigentlich nicht, ich kannte es ja nicht anders. Jetzt, im Rückblick, habe ich das Gefühl, dass die Welt einfach nur platt und grau war – wie ich inzwischen erfahren habe, konnte ich so gut wie nicht dreidimensional sehen und auch die Farbwahrnehmung war beeinträchtigt.

 

Sie schreiben, dass das Sehtraining Areale im Gehirn aktiviert hat, die für Emotionen verantwortlich sind.  Haben Sie den Eindruck, dass bereits in Ihrer Kindheit Ihre Gefühlswelt eingeschränkt war?

Auch hier ist die Beantwortung schwierig, weil ich es nicht anders kannte. Aber vielleicht doch, denn ich war immer die ‘Vernünftige’, die zuverlässig Funktionierende.

 

Sie haben Ihre Eltern und anschließend die Nachbarinnen sehr lange gepflegt. Wie kam es dazu?

Durch eine damals noch sehr ungewöhnliche Familienkonstellation: ich war das einzige Kind schon relativ alter Eltern. Eine Pflegeversicherung gab es noch nicht, eine Pflegekraft oder ein Pflegeheim hätten unsere finanziellen Mittel weit überstiegen. Zur Pflege der Nachbarinnen wäre ich gesetzlich nicht verpflichtet gewesen, aber sie hatten mich ihrerseits jahrelang unterstützt, das war für mich einfach ein Gebot der Fairness.

 

Haben Sie nie daran gedacht, aus dieser häuslichen „Zwangslage“ auszubrechen?

Nein, denn das hätte in meinem speziellen Fall bedeutet, die Kranken sich selbst zu überlassen.

Was würden Sie Frauen empfehlen, die sehr stark in die Pflege von Angehörigen eingebunden sind?

Auf jeden Fall darauf zu achten, dass die ‘Pflegelasten’ in der Familie gerecht verteilt sind. Ich habe im Laufe meines Lebens mehrere Fälle kennengelernt, wo die Tochter die Pflege der Angehörigen ‘aufs Auge gedrückt’ bekam, einfach nur weil sie eine Frau war. Sie musste auf alles verzichten, während ihr Bruder/ihre Brüder sich unbelastet dem Aufbau ihrer beruflichen Karriere und der Gründung einer eigenen Familie widmen konnten. Ich glaube, in diesem Bereich hinkt die Emanzipation noch gewaltig hinterher – nur wird das öffentlich kaum erwähnt (vielleicht weil sonst unser Gesundheitssystem zusammenbrechen würde?).

Liebe und Sex

Sie sind im Alter von 58 Jahren zum ersten Mal eine Beziehung zu einem Mann eingegangen. Davon handelt Ihr Buch. Würden Sie sagen, dass die Lebenserfahrung und Reife vor Torheiten und Blindheit schützt?

Es gibt Lebensbereiche, wo Erfahrung auch nicht weiterhilft. Der bekannte Spruch „Liebe macht blind“ wurde nicht extra für mich erfunden.

 

Ihre Bilder sind sehr stark erotisch geprägt. Glauben Sie, dass Sie Sex und Erotik stärker als viele andere Frauen Ihres Alters beschäftigen, weil Sie es so viele Jahre ausgeblendet haben?

Gegenfrage: Woher wollen Sie, wissen, dass sich andere Frauen meines Alters nicht auch stark damit beschäftigen, nur – geprägt durch Erziehung und Leben – nicht bzw. nicht mehr den Mut haben, das offen zu äußern?

Malerei

Sie malen in einem Stil, der an Bilder erinnert, die man erst mit der 3 D-Brille „normal“ sieht. Hat das mit Ihrer Sehschwäche zu tun?

Leider habe ich niemanden, den ich dazu befragen könnte. Aber es wäre schon möglich. Mit meinem ‘augenumschulungs-verwirrten’ Gehirn geriet ich, alleingelassen mit den Folgen der Krebsbehandlung, durch eine schwere Virusinfektion in Todesnähe. Im Moment des Zusammenbruchs sah ich in eine warme bunte Welt mit sich liebenden, bunten Menschen – wahrscheinlich eine Jenseits-Halluzination. Diese Farben – sie haben mich einfach nicht mehr losgelassen.

 

Lebensträume

Wenn Sie alle Mittel und Möglichkeiten der Welt hätten, die Sie brauchen, was würden Sie gerne tun? Wie und wo würden Sie gerne leben?

Mit den Wünschen, das ist so eine Sache. Man darf sie nicht laut äußern, sonst gehen sie nicht in Erfüllung, sagt ein Sprichwort. Ich habe dagegen verstoßen, habe ganz zu Anfang meines Buches meine Lebensträume jemandem erzählt – und bin bitter dafür bestraft worden. Aber einen Wunsch, meinen größten, kann ich offen aussprechen, denn er geht sowieso nicht in Erfüllung: ein Leben ohne die ständige zermürbende Angst vor einer Wiederkehr des Krebses.

 

Ihr Buch erscheint in der neuen Bonner Biografischen Reihe. Sie haben Ihr ganzes Leben in Bonn verbracht. Was lieben Sie an Bonn, was mögen Sie nicht?

Als Stadt gefällt mir Bonn sehr gut, da ich die Größe und die landschaftliche Lage angenehm finde. Mit den Menschen tue ich mich manchmal schwer, als Flüchtlingskind bin ich nie wirklich als Einheimische und Zugehörige angesehen worden. Insofern bin ich für die Bonner Biografische Reihe sicher nicht die typische Kandidatin, und es ist mutig von der Verlegerin, die Reihe mit meiner Geschichte, die nicht nur die besten Seiten der Bonner zeigt, zu starten.

 

Der Klappentext

Alles für die Liebe

Eine autobiografische Erzählung

Sie ist 58, als sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben aufmacht, die Liebe zu
entdecken. Jahrzehntelang hat sie sich für andere aufgeopfert. Jetzt will Monika
mit Hilfe einer Partnervermittlung den Mann finden, mit dem sie sich
endlich ihre eigenen Bedürfnisse erfüllen kann.
So lernt sie Felix, den Mann ihrer Träume kennen. Ein Mann, der für sie
da ist, als sie eine schwere Krankheit durchmacht. Ein Mann, der ihr die
Welt zeigt, die sie, Biologin und Hobbyhistorikerin, nur aus Büchern und
Medien kennt. Ein Mann, der die sehschwache Frau dazu bringt, sich ihrem
Augenproblem zu stellen und in einem dramatischen Prozess neu sehen
zu lernen. Und überdies ein Mann aus vornehmen Kreisen. Doch
in diese nimmt er sie nicht mit. „Noch nicht!“ – wie sie sich insgeheim
sagt. Monika beschließt alles zu tun, um gesellschaftsfähig zu werden
und sich diesem Mann würdig zu erweisen. Doch wie gut kennt sie ihn
wirklich?

Eine Geschichte, wie sie nur das wahre Leben schreiben kann.

Drei Jahre, von 2013 bis 2016, führt Monika E. Neumann Tagebuch über
ihren aufregenden Kampf um die Liebe ihres Lebens. Wird sie ihn gewinnen?
Mit der erzählerischen Finesse einer Romanschriftstellerin lässt die Autorin
und Malerin den Leser an ihrer Geschichte voller Leidenschaft, voller
Höhen und Tiefen teilhaben.

 

  • Broschiert: 480 Seiten
  • 1. Auflage 2017
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783944276229
  • EUR 18,98

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